Johannes 20,17 – Maria Magdalena darf JESUS nicht „anrühren / berühren“?

Wir lesen im Evangelium des Johannes in Kapitel 20 (alle Bibelstellen nach der revidierten Elberfelder Übersetzung von 1985):

An dem ersten Wochentag aber kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zur Gruft und (traut ihren Augen nicht, denn:) sieht den Stein von der Gruft weggenommen…sie läuft nun undkommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Siehaben den Herrn aus der Gruft weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

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Diese Maria aus Magdala stand in besonderer Beziehung zu JESUS, – hatte ER sie doch von 7 Dämonen befreit…. Wer mal mit dämonisch belasteten Mensch zu tun hatte, wie schlimm schon ein Einzelner sein kann, aber gleich 7….. Und nun ist (aus ihrer Sicht zu DEM Zeitpunkt) dieser JESUS t o t – alle Hoffnung scheint verloren; und nun noch das obendrauf: Der Leichnam ist weg!

Es mag ihr auch im Kopf herumgegangen sein, daß ihr Herr davor gewarnt hatte, wenn ehemals dämonisch Belastete frei geworden wären und nicht bei JESUS blieben, es siebenmal schlimmer mit ihnen werden würde… JEDENFALLS können wir davon ausgehen, daß es dieser Maria extrem schlecht ging, – 3-4 Tage fast nichts gegessen, nicht wirklich schlafen können vor lauter Gram und Kummer – und nun noch DAS! Sie kam ja zum Grab als es eh noch stockdunkel war, und kriegte nur mit, daß der Stein jedenfalls nicht mehr an der Stelle war, wo er noch vor 3 Tagen hinbewegt worden war; und IN der Gruft konnte sie ja dann GAR nichts sehen – da schienen schließlich weder Sterne noch Mond rein; und sie nahm auch keinen Leichnam-Geruch wahr – er war weg!

Was für bodenlose Fassungslosigkeit mag diese Frau erfaßt haben; doch „tough“ wie sie ist, läuft sie zurück und wendet sich „an die Männer“ und bittet um Hilfe.

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Verse 11-13: „Maria aber stand draußen bei der Gruft und weinte…sie spricht zu den zwei Engeln: Weil sie meinen Herrn weggenommen und ich nicht weiß, wo sie ihn hingelegt haben. Als sie dies gesagt hatte, wandte sie sich zurück (weg vom Grab) und sieht JESUS dastehen; und sie wußte nicht, daß es JESUS war. JESUS spricht zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie, in der Meinung, es sei der Gärtner, spricht zu ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich werde ihn wegholen. JESUS spricht zu ihr: Maria!

Maria war wohl dermaßen konfus, daß sie noch nicht mal mehr JESU Stimme erkannte; ihr ganzes Augenmerk war auf die leere, dunkle Gruft gerichtet, alles andere nahm sie nur peripher wahr, scheint es.

Sie wendet sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni! das heißt Lehrer.

SO ist unser JESUS: Mit nur EINEM Wort ändert Er erneut komplett ihre „ganze Welt“; als erste Auswirkung „wendet sie sich um“ – WEG vom Problem – der leeren Gruft – HIN zu ihrem Heiland!

SO kann auch nur unser JESUS sein: ER, der große Gottessohn, der „alle Dinge durch das Wort Seiner Macht trägt“, kennt Maria, kennt mich und auch DICH – beim Namen!

JESUS spricht zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater.

Huch – was soll das denn bedeuten? Und wie paßt die Begründung zum Verbot? Paßt das zu unserem JESUS, daß ER einer sooo völlig „fertigen“ Frau, der ER doch so viel Gutes tat in Seinem Erdenleben, jetzt eine simple Berührung verweigert, ja sogar verbietet? Es liegt doch auf der Hand, daß sie sich doch vergewissern wollte, ob ER es wirklich leibhaftig ist, oder sie nur eine Halluzination hat, oder fantasiert oder…. einer dämonischen Verführung erlegen ist…. Würde Maria etwa die „Metamorphose der Auferstehung“ durcheinanderbringen? Wie paßt das zu Matthäus 28,8-9:

Als sie aber hingingen…..siehe, da kam JESUS ihnen entgegen…..Sie aber traten herzu, umfaßten seine Füße und warfen sich vor Ihm nieder.

Wie paßt es außerdem zu den vielen anderen Gelegenheiten, bei denen es JESUS sehr wichtig war, daß Seine Jünger Seine Leibhaftigkeit erkannten: Als JESUS auf dem See ging, und Seine Jünger Ihn für ein Gespenst hielten und schrien vor Furcht? Am selben Abend dieses Auferstehungstages, so berichtet uns ja der Arzt Lukas, „beweist“ JESUS Seinen Jüngern Seine Leibhaftigkeit, indem Er vor ihren Augen Fisch mit Honigwabe verspeist; und wenig später mußte ja Thomas sogar mit seiner eigenen Hand Jesu Wundmal „be-greifen“.

Grammatik-Zusammenhänge des klassischen Griechisch ermöglichen ein genaueres Verständnis: Die hier verwendete Gegenwarts-Befehlsform (Imperativ Präsens) hat einen „über sehr lange Zeit hinweg andauernde Wirkung“ (durativ). Solch eine Befehlsform ist in bejahender Anwendung als Aufforderung zu verstehen, mit der (bereits begonnenen) „Handlung“ fortzufahren; bei verneinender, ablehnender oder verbietender Anwendung wird der Imperativ Präsens alsAufforderung verstanden, mit der „Handlung“ aufzuhören; beide Varianten sind in geradliniger Form (linear) oder in einer Abfolge immer wieder neu unternommener Versuche/Anstrengungen (iterativ) möglich:

(Die folgenden Beispiele sind entnommen der „Griechischen Grammatik zum Neuen Testament“ als Autor nennt „Dr. Google“ Heinrich von Siebenthal.

μόνον πίστευε.Glaube nur (weiter)! Markus 5,36
μὴ κλαῖε.Weine nicht länger! / Hör auf zu weinen! Lukas 7,13; Offenbarung 5,5
μὴ φοβοῦ.Fürchte dich nicht (länger)! Du brauchst dich nicht zu fürchten. Markus 5,36; Apg. 18,9; 27,24

Das viel diskutierte Problem von Johannes 20,17 läßt sich wohl so lösen: μὴ μου ἅπτου

Fasse mich nicht an! ist iSv Fasse mich nicht länger an! / Lass mich los! zu verstehen.)

JESUS spricht zu ihr: Fasse mich nicht länger an! / Laß mich los! Denn ich bin noch nicht aufgefahren…

Und schon sehen und verstehen wir die Bedeutung, den Zusammenhang, den Sinn: DIESER so„kaputten“ Frau gegenüber verhält sich unser Herr nicht abweisend, sondern mitfühlend, tröstend, aufrichtend, ermutigend, einfach wunderbar: Weil sie Ihn schier nicht loslassen mochte (Verlust-Trauma?), entwindet Er sich schließlich, weil Er ja noch auffahren muß zum Vater. Aber mittlerweile weiß sie, – JESUS lebt, Er wird mich NIE mehr verlassen.

Quintessenz:

Was hat das nun mit UNS zu tun? Wir dürfen diesen Vers jetzt besser verstehen, und UNS gilt eine ganz andere Aufforderung: DU, lieber Leser, liebe Leserin, sollst JESUS„festhalten“, Ihn NICHT „wieder loslassen“!